Wissenswertes zu Wellpappe

Erfinder Wellpappe - Herstellung von Wellpappe - Warum Wellpappe stabil ist


Mit einem Marktanteil von fast 70% (Stand 2014) gehört Wellpappe zu dem am weitesten verbreiteten Verpackungsmaterial in Deutschland. Erfunden wurde das gewellte Papier bereits 1856, aber erst einige Jahre später wurde es auch für Verpackungszwecke genutzt. Das Material wird vor allem für Transportverpackungen eingesetzt. Der wichtigste Träger zur Herstellung ist Papier. In einem komplexen Verfahren - für die Herstellung von einer 3-welligen Wellpappe - werden sieben Papierbahnen eingesetzt.

Papierbahnen für die Herstellung von Wellpappe

Alles über Wellpappe

Ob beim Basteln, im Bauwesen oder im Handwerkerbereich, Pappe findet sich in sehr vielen Bereichen, vor allem in der Verpackungsindustrie wird man fündig. Unangefochten mit fast 70% gehört die Wellpappe zum beliebtesten Verpackungsmittel in Deutschland. Ob gewöhnliche Versandkartons, Membranverpackungen oder konstruktive Schutzverpackungen - Wellpappe findet sich in nahezu allen Transportverpackungen.

Wellpappe ist nicht gleich Wellpappe. Es wird zwischen verschiedenen Sorten, Wellenarten und Wellenkombinationen unterschieden. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal - welches nur bei standardisierter Versandverpackungen vorkommt - nennt sich FEFCO-Code.

Wer erfand Wellpappe?

Erfunden wurde das gewellte Papier bereits im Jahr 1856, allerdings nicht zu Verpackungszwecken. Damals wurde das Papier als Einlage für hohe Hüte genutzt.  Zum Einwickeln und Versenden von Flaschen wurde das geriffelte Papier erstmals 1871 eingesetzt. Die Erfindung von Jones - der das geriffelte Papier erfand - wurde 1874 von dem Amerikaner Oliver Long weiterentwickelt. Erstmals wurde das geriffelte Papier mit einer glatten Papierbahn verklebt und somit entstand die erste Wellpappe (Rollenwellpappe). Das erste Patent für "echte" Wellpappe erhielt 1892 der Amerikaner Robert H. Thompson. Er war der erste, der das gewellte Papier mit zwei Deckenpapieren (innen und außen) verklebte.

Die erste deutsche Wellpappfabrik wurde 1894 in Köln errichtet. Der damalige Betreiber Fedor Schoen ließ in diesem Werk einlagige Wellpappe herstellen. Für die maschinelle Herstellung von Wellpappe wurden die ersten Wellpappenmaschinen von Wilhelm Richter gebaut. Später wurden in diesem Werk auch die ersten zweilagigen Wellpappen hergestellt.

Wie wird Wellpappe hergestellt?

Auch heute ist die Herstellung von Wellpappe noch ein kompliziertes Verfahren. Ein-, zwei- und dreilagige Wellpappen werden unter Druck und Hitze hergestellt. Dabei werden die verschiedenen Papierbahnen - die sich zwischen Wellen- und Deckenpapieren unterscheiden - miteinander verklebt. Für die Herstellung von Wellpappe wird mindestens eine gewellte Papierbahn mit zwei glatten Deckenpapieren miteinander verbunden.

Die Welle wird mithilfe einer Wellpappanlage erzeugt. Um die Wellenform zu erhalten, wird die Papierbahn erwärmt und befeuchtet. Anschließend wird die Welle unter hohen Druck zwischen verschiedenen Walzen geformt. Mit einem Spezialkleber auf Stärkebasis wird anschließend die gewellte Papierbahn mit zwei glatten verbunden. Für eine mehrlagige Wellenstärke wird dieser Vorgang wiederholt.

Aus was besteht Wellpappe?

Wellpappe basiert auf natürlich, nachwachsende Rohstoffe. Hergestellte Wellpappe aus Deutschland besteht durchschnittlich aus 80% Altpapier. Den übrigen Teil bilden Frischfasern, welche aus Holz gewonnen werden. Da die Rohpapiere hauptsächlich aus Altpapier hergestellt werden, dürfen diese die Bezeichnung Recyclingpapier tragen. Bei der Herstellung von Wellpappe wird ein Leim aus Weizen-, Kartoffel-, oder Maisstärke genutzt.

Wellenarten und deren Zusammensetzung

ZeichenWellenartWellenteilung in mmWellenhöhe in mm
AGrobwelle8 bis 9,54 bis 4,9
BFeinwelle5,5 bis 6,5 2,2 bis 3
CMittelwelle6,8 bis 7,93,1 bis 3,9
DFeinwelle3,8 bis 4,81,9 bis 2,1
EFeinstwelle3 bis 3,51 bis 1,8
FMiniwelle1,9 bis 2,60,6 bis 0,9

Verpackungshändler bezeichnen die Qualität i.d.R. mit der Anzahl an Wellen und der dazugehörigen Art, zum Beispiel: Faltkarton 2.30 BC.

  • Außendecke: Kraft- oder Testliner
  • B-Welle: Wellenstoff
  • Zwischendecke: Kraft- oder Testliner
  • C-Welle: Wellenstoff
  • Innendecke: Kraft- oder Testliner

Abgerissenes Stück Wellpappe mit sichtbaren Wellen und Deckenpapieren

Unterschied zwischen Kraft- und Testliner

Außen-, Zwischen- und Innendecken werden aus Test- und Kraftliner hergestellt. Die Stärke bzw. Dichte der Liner wird in g/m² angegeben. Umso höher dieser Wert ist, umso dicker und fester ist auch der Liner. Der Kraftliner wird aus Nadelhölzern hergestellt. Der Frischfaseranteil liegt dabei bei mindestens 80%. Testliner hingegen werden aus 100% Altpapier hergestellt. Im Vergleich zu Kraftlinern besitzen diese geringere Qualitätseigenschaften.

Warum ist Wellpappe so stabil?

Das Geheimnis der Stabilität der Wellpappe liegt in der Form und der Anordnung der Wellen. Die Bauweise zur Welle tritt in ganz ähnlicher Form auch in der Natur auf. Als Beispiel kann man hier Bambus und Nester von Wespen betrachten. Aufgrund der Röhrenstruktur wird der ausgeübte Druck auf die Fläche gleichmäßig verteilt. Prinzipiell ist die Wellpappe - von der Struktur und Anordnung - verwandt mit Bambus. Auch hier sind einzelne Röhren nebeneinander, wodurch das Gewicht optimal auf die Fläche verteilt wird.

Bereits als einlagiges Endprodukt ist Wellpappe sehr stabil und tragfähig. Generell gilt, je mehr Wellen verarbeitet wurden, desto stabiler ist die Wellpappe. Unterschieden wird hierbei zwischen ein-, zwei- und dreiwelliger Wellpappe. Auch die Art der Welle tragen zur Stabilität bei. Wie stabil Pappe sein kann, zeigten die Studenten der Hochschule Karlsruhe bei einem Brückenbauprojekt, welches Sie sich hier ansehen können.